Unsichtbare Magnete für schnellere IT
Ein japanisch-deutsches Konsortium forscht unter Koordination von Prof. István Kézsmárki von der Universit?t Augsburg
Antiferromagneten gelten als ?unsichtbare Magnete“: Anders als die bekannten Alltagsmagnete erzeugen sie nach au?en kein messbares Magnetfeld. Lange schien ihre Kontrolle deshalb schwierig. In der aktuellen Festk?rperphysik und Materialforschung gewinnen sie jedoch stark an Bedeutung – denn sie k?nnten die Datenverarbeitung nicht nur erheblich beschleunigen, sondern auch den Energiebedarf deutlich senken. Gerade mit Blick auf wachsende Datenmengen und den Stromverbrauch digitaler Infrastruktur w?re das ein wichtiger Schritt hin zu umweltfreundlicherer Elektronik und Telekommunikation. Um dieses Potenzial zu erschlie?en, startet im Februar ein dreij?hriges, bilaterales Forschungskonsortium mit zwei japanischen und drei deutschen Gruppen. Der Verbund wird über F?rdermittel der jeweiligen Regierungen unterstützt – in Deutschland über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), in Japan über die Japan Society for the Promotion of Science (JSPS). Koordiniert wird das Netzwerk von Prof. Dr. István Kézsmárki an der Universit?t Augsburg. Beteiligt sind Dr. Davide Bossini (Universit?t Konstanz), Prof. Tsuyoshi Kimura (Universit?t Tokio), Prof. Johannes Knolle (Technische Universit?t München), Dr. Naoki Ogawa (RIKEN – Japans gro?es Forschungsinstitut für Naturwissenschaften) und Prof. Yoshinori Tokura (RIKEN). Optische Kommunikation ist l?ngst Alltag: Ein gro?er Teil des Internets basiert auf Glasfasern, in denen Daten als Lichtsignale übertragen werden. Genau hier setzt das Konsortium an. Antiferromagneten k?nnten künftig zentrale Funktionen der dahinterliegenden Technologie ver?ndern – von der Speicherung bis zur Verarbeitung von Informationen – und damit einen Baustein für eine neue Generation optischer Kommunikations- und Informationstechnologie liefern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich antiferromagnetische Zust?nde besonders schnell und gezielt steuern lassen. Licht hat sich hierfür als vielversprechendes Werkzeug erwiesen: In Vorarbeiten identifizierten die beteiligten Forschenden Materialsysteme, in denen die Kopplung zwischen Licht und Antiferromagneten überraschend stark ist – und demonstrierten, dass sich antiferromagnetische Zust?nde optisch sichtbar machen lassen. Darauf aufbauend will das Konsortium Antiferromagneten künftig ultraschnell manipulieren – mit intensiven Lichtimpulsen, auf Zeitskalen von etwa einer Billionstel Sekunde. Im Vergleich zu etablierten, ferromagnetischen Speichertechnologien besteht dabei die Chance, die Verarbeitungsgeschwindigkeit um den Faktor 1000 zu erh?hen. Konkretes Ziel des Projekts ist es, neuartige antiferromagnetische Materialien zu identifizieren, die sich ultraschnell durch Licht und/oder mechanische Spannung schalten lassen. In einem n?chsten Schritt sollen daraus neue Ger?tefunktionen abgeleitet und experimentell gezeigt werden – als Grundlage für zukünftige Anwendungen. Die Universit?t Augsburg koordiniert das japanisch-deutsche Konsortium und bringt die Partnergruppen in Deutschland und Japan zusammen. ?Wir bündeln die St?rken der Teams und sorgen dafür, dass die Zusammenarbeit reibungslos l?uft“, sagt Prof. Dr. István Kézsmárki. Seine Japan-Erfahrung hilft dabei besonders: Er hat selbst in Japan geforscht und kennt viele Strukturen und Ansprechpersonen vor Ort aus eigener Zusammenarbeit. Dass im Konsortium bereits seit Jahren wissenschaftliche Kontakte bestehen, erleichtert den Start des gemeinsamen Programms zus?tzlich. Parallel dazu ist Prof. Dr. István Kézsmárki Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereichs/Transregio 360 ?Eingeschr?nkte Quantenmaterie“ (gemeinsam beantragt mit der Technischen Universit?t München).?Weitere Informationen zum DFG-Verbund TRR 360 finden Sie auf der
Projektseite der Universit?t Augsburg. In diesem Verbund erforschen Teams in Deutschland neue Quantenzust?nde und komplexe Quantenmaterialien – Grundlagen, die langfristig auch Anwendungen etwa in der Quanteninformationstechnologie erm?glichen k?nnen. Diese Expertise aus Augsburg st?rkt auch die internationale Zusammenarbeit im neuen japanisch-deutschen Konsortium. Zus?tzlichen Rückenwind erh?lt der Verbund durch Dr. Felix Schilberth, der als Postdoktorand an der Universit?t Augsburg arbeitet. Schilberth wurde kürzlich mit einem sehr kompetitiven Postdoctoral Fellowship am japanischen Forschungsinstitut RIKEN ausgezeichnet (Erfolgsquote rund 10 Prozent) und wird dort künftig nichtlineare spektroskopische Untersuchungen an magnetischen Materialien in der Ogawa-Tokura-Gruppe vorantreiben – einem wichtigen Pfeiler des Konsortiums. tb ?
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